Das musikalische Irisch

Es gibt hunderte verschieder Musikstile und -richtungen: man könnte sie als “Sprachen” bezeichnen mit jeweils eigener Grammatik und eigenen Wörtern. Eine davon ist die “keltische” Volksmusik hauptsächlich aus Irland und Schottland, um die es hier gehen soll.

Wie jede Volksmusik ist sie von Laien für Laien. Natürlich gibt es großartige Musiker und Lehrer, die die Volksmusik vielleicht sogar zum Beruf gemacht haben; es gibt hier aber so gut wie keine staatliche Ausbildung wie man es bei der Klassik kennt. Volksmusiker spielen aus Spaß an der Freud und jeder entscheidet selber, wie groß die eigene musikalische Leistung und technische Kunstfertigkeit sein soll, wieviel er übt, bzw. wie groß der Anspruch an sich selber ist. Es ist nicht Sache der Volksmusik ein qualitatives Niveau vorzugeben: jeder spielt gemäß seiner Fähigkeiten und wird durch viel Spielen besser. Tief hinein kommt man ganz von selber, wenn man viel Sessionatmosphäre genießt und dabei von anderen abguckt oder sich abhört. Aufmerksam Zuhören ist mindestens genauso wichtig wie Üben. Richtige Kurse und Unterricht gibt es natürlich auch z.B. auf den SummerSchools oder Festivals in Irland; auch in Deutschland werden Wochenenden angeboten, z.B. Proitzer Mühle, Burg Fürsteneck. Aber es ist gar nicht so schwer, sich die Handhaltung und Spieltechnik des Instruments intuitiv und durch Ausprobieren beizubringen oder von Mitmusikern zu kopieren. Hauptsache man bleibt offen für neue Griffe/Töne/Tonarten/Tunes, hört nie auf zu lernen und bleibt mir der Musik zusammen lebendig.

Musiker finden sich zum Spielkreis zu hause oder in Pubs zusammen. Irische Pubs sind keine Kneipen in deutschem Sinne, eher ein Treffpunkt für jung und alt, groß und klein, Eltern und Kinder, Freunde und Familien, vielleicht am besten zu sehen als Wohnzimmer aller Bewohner einer Nachbarschaft. Sport schaut der Ire zum Beispiel lieber dort als zu hause und auch seine traditionelle Live-Musik macht ihm mehr Spaß in Gesellschaft. Dabei finden wir zwei verschiedene Schwerpunkte: die Songs und die Tunes.

Songs: Irland hat eine große Sing-Tradition, besonders zu beobachten beim Sean-nos Gesang, einem spontan vorgetragenen, meist unbegleiteten Gesang in irischer Sprache. Solche Sänger werden in der Bevölkerung hoch angesehen. Aber natürlich wird allen Arten von Songs mit Freuden gelauscht und wenn die Stimmung ausgelassen ist, gibt jeder gerne seinen Lieblingssong zum besten. Oft ohne Backing, aber falls es ein bekannter Song ist werden ihn die Sessionmusiker einfühlsam begleiten. Während eines Gesangs wird von allen Anwesenden respektvolle Stille erwartet, es sei denn ein lebhafter Refrain erfordert stimmliche Verstärkung. Hier wird das Publikum nicht zögern und dem Sänger zur Seite stehen.

Tunes: Tanzmusik zum Zuhören. Die Tunes = Tanzmelodien bringen sich Musiker gegenseitig bei oder hören während der Session die Melodie ab (das ist was für Geübte) - das ganze erklingt jedenfalls ohne Noten oder Arrangements.

Wie oben erwähnt sind die irischen Tunes - wie jede Volksmusik - eine Sprache unter vielen. Manche Musiker hierzulande unterscheiden innerhalb von Volks- oder Weltmusik kaum die einzelnen “Sprachen” voneinander, sie reihen Melodien aller Länder aneinander - je bunter desto besser. Das hat sicherlich seinen eigenen Charme, hat aber oft zur Folge, dass sich Wortschatz und Grammatik der musikalischen Sprachen vermischen und abschwächen.

Ursprünglicherweise findet man beim Irischen aber die ganz besonderen Eigenheiten, die im folgenden kurz beschrieben werden.

1. Instrumentierung

Diese Instrumente trifft man in Sessions an:

Die Melodieinstrumente steuern die eigentlichen Tunes bei, dh. hier ist viel Arbeit beim Auswendiglernen gefordert:

Flute (Holzquerflöte), Whistle, Uillean Pipes (irischer Dudelsack) sind die Blasinstrumente. Sie sind nicht gleichstufig gestimmt, d.h. einige Töne weichen leicht von den Tonfrequenzen unsere heutigen Musik ab. Sie geben der Musik die von Klassikern empfundene unsaubere Intonation, bzw das irische Flair :o) Alle Töne tiefer als das eingestrichene D müssen nach oben oktaviert werden, einige Halbtöne (seltene, zugegeben) sind nicht oder nur schwer spielbar.

Tenorbanjo (4-saitig), Mandoline sind Zupfinstrumente, die im Gegensatz zu den Bläsern zwar alle Töne an Bord haben, aber keine langen Noten spielen können. Die Mandoline hat es eher schwer, eine Session lautstärkemäßig zu durchdringen. Das größere Banjo hat akkustische Durchschlagskraft und als 1-saitiges Zupfinstrument ausgeprägte Perkussivität. Es sollte besonders präzise gespielt werden.

Die Geige=Fiddle, verfügt über den vollen Tonumfang und kann auch lange Tönchen spielen, stellt allerdings an den Spieler erhebliche technische Ansprüche.

Die Quetschenfraktion besteht aus diatonisches Knopfakkordeon, Akkordeon, Concertina. Die Iren lieben diatonische Akkordeons, also welche mit auf Druck und Zug unterschiedlichen Zungen (=Tönen), weil das dadurch notwendige lebendige Balgspiel der Musik eine besondere Dynamik gibt. Pianoakkordeons findet man selten, weil abgesehen von der unirischen Balgtechnik das Instrument eine zu satte Klangfarbe hat.

Die Begleitinstrumente wie Bouzouki, Gitarre, selten Harfe, gibt es in irischen Musik erst seit ca 60 Jahren. Sie haben es etwas einfacher als die Melodiespieler, weil sie die Tunes nicht Ton für Ton spielen müssen. Beim Set-Parcour haben sie sozusagen keine Hindernisse mehr, müssen aber den "Bodenweg" (Melodieverlauf) sehr wohl kennen, um ihn begleiten zu können. Die irische Bouzouki (verwandt mit der griechischen) hat naturgegeben eine offene Stimmung, die Gitarren benutzen dieselbe auch gerne, sind aber natürlich nicht dazu verpflichtet. Die Begleitung von Irischen Tunes ist abwechslungsreicher und interessanter als bei anderen Volksmusiken und heutiger Popmusik.

Bodhran, die irische Rahmentrommel, macht viel Spaß und hat es am leichtesten: sie braucht nur einige rhythmische Patterns zu lernen. Kann man diese im richtigen Tempo anwenden, ist man fit für jede Session und kann auch unbekannte Tunes mitspielen. Auf ihr lässt sich eine erhebliche Kunstfertigkeit erlangen: Könner ihrer Zunft sind in der Lage, Basstöne zur Session beizusteuern und fast ein Schagzeugset simulieren. Leider darf der Trommelsound in der Session nicht überwiegen, daher müssen sich mehrere Bodranspieler abwechseln.

Gute Bodhranspieler wissen: sie unterstützen lediglich einzelne Beats des Tunes (bestimmte Achtel, etc.) um einen schöneren Groove zu erzeugen. Ein Rhythmus ist mit dem Tune ja bereits vorhanden, die Bodhran "legt sich nur auf ihn drauf" und BETONT ausgewählte Beats, die sie vorausahnen muss, um die Schläge präzise auszuführen. Je präziser desto angesehener sind sie bei den Melodiespielern!
Überhaupt nicht funktionieren tut hier die Rock/Pop-Herangehensweise, bei der die Trommel und der Bass das Fundament legen. Dann a-tens gibt's bei uns keinen Bass und b-tens wird es keiner Bodhran gelingen eine Horde Melodieinstrumente unter Kontrolle zu halten.
Warum nicht? Weil jeder Tune einen ihm eigenen Rhythmus hat.
Klar ist ein Reel ein 4/4, aber hohe bzw ungewöhnlich tiefe und auch lange Töne sind automatisch betont. Außerdem gibt's Gesetze des Bogenstrichs (bei Geigen natürlich), der Verzierungen, etc. Lange Rede, kurze Haare: Jeder Tune wird also anders betont. Vielleicht werden deshalb Bodhranspieler ja auch irgendwann einmal in naher Zukunft anfangen, Tunes auswendig zu lernen...?

Einsteigern sei die - als billiges Touri-Instrument völlig unterschätzte - Whistle ans Herz gelegt. Sie kostet nur ein Taschengeld und man kann alles auf ihr lernen, was den Irish Folk ausmacht. Man könnte später von der Whistle leicht zur Flute oder Pipes wechseln, da die Griffe gleich sind. Muss man aber nicht, weil die Whistle ein wunderbares Instrument ist, auf dem sich Tunes in großer Schönheit und Vollkommenheit spielen lassen. Man sollte beim Kauf allerdings darauf achten, dass die Flöte stimmbar ist. Ein gutes Einsteigermodell gibt es bei www.folkfriends.de für unter 60 Euro.

2. Der Rhythmus

Der Rhythmus ist der Mittelpunkt, vielleicht mehr noch als bei allen anderen Volksmusiken Europas. Es ist ein gerader Rhythmus, der allerdings durchgängig ziemlich schnell gespielt wird. Exaktes Spiel ist essentiell. Dagegen findet man kaum Synkopen und - bis auf den Slip Jig - keine ungeraden Rhythmen (zB. 5/4).

Besonders auffällig sind der schnelle Rhythmus bzw. das „Brechen“ der Melodie in Achtelmuster. Ungewohnten Ohren kommt es fast vor die Melodien würden im “Zeitraffer” gespielt.

Im Unterschied zu den praktisch allen anderen Musikstilen geben Trommeln und Backing-Instrumente hier keinen Puls oder Beat vor - die Melodie-Instrumente sind die Rhythmusträger und letztendlich sind die Melodien nur dazu da, einen schönen Groove zu erschaffen.

3. Die Harmonik

Die Melodien sind aufwändig und detailliert. Die gleiche Menge an Noten hätte für Komponisten des „Kontinents“ vermutlich für eine ganze Symphonie gereicht. Die Textur der Melodien enthält mehr Intervallsprünge als andere Musikstile. Daher werden auch erfahrene Instrumentalisten verwundert feststellen, dass man während des Spiels etwa zweieinhalb Oktaven Töne (Geigen, Banjos... ; alles 1. Lage, juhu) bzw. 1 Oktave + 1 Quinte bei Whistles, Flutes und Pipes spieltechnisch quasi gleichzeitig zur Verfügung haben sollte und richtig flink über’s Griffbrett flitzen muss, um einen Tune lässig zu spielen.

Es kommen nicht alle Tonarten im Irish Folk vor. Viele Tunes sind in D-Dur, da es dem Tonumfang der Pipes und Flutes entspricht. Sonst auch G-Dur und die verwandten Moll-Tonarten. Man findet in der Regel Tonarten bis max. 3 Kreuzen, sehr mit einem “b”.

Dafür (Achtung, Gitarristen aufgepasst) ist die klassische Einteilung der Harmonik in Dur und Moll für Tunes oft ungeeignet. Tunes changieren gerne zwischen diesen beiden Harmonien sowie weiteren Kirchentonarten (z.B. Mixolydisch und Dorisch). Daher können Begleitinstrumente wie Bouzoukis und Gitarren ein neues Spektrum an Griffen und Tonarten entdecken. Alle offenen Stimmungen kommen dem Irischen sehr entgegen.

4. Der Klang

Irische Sessionmusik ist nicht so robust, wie es zunächst scheint und wie die hierzulande bekannten rustikalen Songs vermuten lassen. Die komplizierten Melodien müssen sauber unisono gespielt werden. Dazu sollte man sehr genau auf die Mitmusiker hören und dazu wiederum sollte der Raumklang so transparent wie möglich sein.

Der Ton irischer Musik ist schlicht und leicht: kaum Dynamik, kein Vibrato. Töne dürfen ungeglättet klingen, Kratzer auch als Impuls gesetzt werden.

Das Spiel sollte fließen; Flöten trennen die Töne nicht über den Luftstrom. Dieser bleibt durchgängig und die Töne werden mit Verzierungen, zB. einem Cut (Aufschlag der zweiten Note) getrennt. Geigen nehmen - von ein paar Ausnahmen abgesehen - viele Töne auf lange Bogenstriche.

Sessionmusik ist ja ursprünglich Tanzmusik. Tänzer mögen Musik, die richtig Gas gibt und mitreißt und zwar von der ersten Sekunde bis zum Schluss.  Seht Euch mal eine Tanzveranstaltung (genannt Céilí) an, zum Beispiel im Armada Hotel in Miltown. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass hier ein gediegener Aufbau eines Arrangements überflüssig ist. Es wird einfach Tune hinter Tune gespielt, jeder 3 Mal. Als Steigerung innerhalb der Musik sind lediglich Tonartwechsel im anschließenden Tune möglich, also ein G-Dur nach einem E-Dorisch oder A-Dur nach G-Dur, also vorzugsweise Tunes mit "hellerer" Tonart anfügen.
Außerdem machen Tänzer einen Riesen-Lärm. Durch ihre Batter-Schritte, das ist die abgespeckte Form von Stepschritten, ist der Raum mit elektrisierendem Rhythmus gefüllt. Die Céilí-Band liefert die Musik, die Tänzer den Beat. Hier bekommt ihr einen Eindruck davon.

5. Zusammenspiel in Sessions

Hier in Hamburg haben wir die älteste Session im Irish Rover, sonntags ab 18 h. Jeden Sonntag der geraden Kalenderwochen findet auch eine im Slattery's statt. Zunächst mal eine Aufnahme aus dem Rover wie sowas aussieht und klingt (Guido rockt auf der Resonator-Mandoline) und hier ein Beispiel aus Irland mit Uillan Pipes.

Alle Melodieinstrumente spielen die gleiche Melodie unisono. Die Tunes werden spontan angespielt, man kann sich also im Gegensatz zu anderer Musik nicht vorbereiten!!
Noten haben sich hier nicht bewährt, da ein Tune mit seinen 3 Wiederholungen nur ca 1 Minute dauert und vorüber sein wird, ehe man die Noten gefunden, aufgeschlagen und das Instrument ergriffen hat. Ganz abgesehen von diesem rein praktischen Aspekt, kommuniziert die Seele der Volksmusik direkt zwischen Ohr und Instrument - ohne Umweg über das Auge und die Notenblätter. Das macht nicht nur gefühlsmäßig einen riesiger Unterschied: angeblich werden auch unterschiedliche Gehirnhälften angesprochen.

Begleitinstrumente dürfen/müssen improvisieren. Dabei kommen sie sich auch ins Gehege. Um das zu vermeiden, sprechen sie sich ab oder suchen sich voneinander entfernte Plätze.

Ablauf: Ein Spieler beginnt ein Set - meist 3 Tunes hintereinander - zu spielen. Er behält solange die Führung wie er Tune an Tune reiht. Manche Musiker spielen feste Sets, andere überlegen sich kurz vorher, welche Tunes tonartlich hintereinander passen, und die Profis können während des Spiels spontan in den nächsten Tune finden. Die Regel ist, dass jeder Tune dreimal gespielt wird, Single Reels gerne 4 mal, Hornpipes auch 2 mal, dh. man ist in jedem Falle gut beraten gegen Ende des zweiten Tunes zu beobachten, ob der Lead-Spieler zu erkennen gibt, dass ein Wechsel folgt. Dann mit Spielen aufhören und lauschen, welcher Tune nun dran ist. Durch das Set leitet also jeweils ein Musiker. Das ist eine Herausforderung, schließlich ist man derjenige, auf den sich die anderen mehr oder weniger bewusst beziehen: strauchelt man, fliegen oft auch alle anderen aus der Kurve. Ziemlich gemütlich hinwiederum kann es sein, einfach mitzududeln und sich an den Leader dranzuhängen. Allerdings muss man dann halt warten, bis die “richtigen” Tunes gespielt werden, also die, die man mitspielen kann. Kommen sie nicht dran hilft nur eines: selber ein Set anfangen.

In irischen Sessions kann jeder mit jedem spielen und sich einbringen. Allerdings scheidet das Tempo oft die Fortgeschrittenen von den Anfängern, weil sich hier oft einfach eine große Geläufigkeit zeigt, der jahrelanges Training zugrunde liegt. Bitte lasst Euch vom Tempo anderer nicht stressen. Spielt die Tunes in Eurer Geschwindigkeit und hört ansonsten lieber zu. Ihr könnt nämlich durch aufmerksames Zuhören und vielleicht schon innerlichem Mitsingen den Tune schon mal ein bisschen vorlernen, bevor ihr ihn am Instrument erprobt.

Einen Tune auch mal langsam zu spielen ist für alle Musiker ein Gewinn, denn diejenigen, denen der Tune schon sehr geläufig ist, können langsam besser die Verzierungen üben oder Variationen und zweite Stimmen erfinden. Einen Tune hingegen schneller zu spielen als man ihn kann, schadet der Spieltechnik als auch dem Selbstbewusstsein. Außerdem könnte die ganze Session wackelig und ungenau werden.

Die große Konstante in der Irischen Musik ist der Puls. Ein einmal vom Leadspieler gesetzter Puls teilen alle Spieler miteinander und er sollte nicht verändert werden, denn sonst verliert die Musik enorm an Qualität. Falsche Töne oder fehlende Töne sind ok, mangelndes/fehlendes Timing nicht. Zitat aus Irland: “A wrong note on the right place is only half wrong, but a right note on a wrong place is completely wrong” Es empfiehlt es sich, möglichst in Bogenschlägen (s.u.) zu denken, damit zwischen den Bögen der Puls der Session durchscheinen kann.

6. Arten von Tunes

Tunes werden auf Grundlage ihrer Rhythmen eingeordnet. Ich zähle auf in Reihenfolge ihrer Häufigkeit

- Reel, schneller 4/4
- Jig 6/8
- Hornpipe, 4/4 etwas langsamer als Reel, punktiert gespielt
- Polka 2/4 sehr schnell (je nach Region populär oder nicht)
- Slip Jig 9/8
- Slide 12/8
- Waltz/, Slow Air, Slow Reel, March, Mazurka


Gemeinsamkeiten mit und Unterschiede zur Klassik:

Der Spieler tritt bei Folk als auch Klassik möglichst völlig hinter der Musik selbst zurück. Individuelle Interpretationen sind selten, es gibt z.B. im Grunde auch keine Soli. Wer sich im Tune langweilt, darf improvisieren, vorausgesetzt dass er die anderen nicht rausbringt. Bei dem Tempo und den schnellen Tonartwechseln eine echte Herausforderung! Die Königsklasse sozusagen. Im allgemeinen gilt: ein Spieler, der die technischen Anforderungen und des Tunes so leicht und rhythmisch sauber wie möglich bewältigt - auch und gerade die VERZIERUNGEN - und obendrein noch schöne Variationen spielen kann, gilt als guter Musiker. Solche Musiker machen eine Session dann wunderbar kompakt, transparent und groovig.

Die klassische Musik basiert nicht auf einem verbindlichen, gleichbleibenden Puls/Beat. Tendenziell kann man sie sich eher als Textur vorstellen, ein musikalisch dichtes Gewebe, was Löcher und Lücken (notierte Pausen werden als unbespielt klingende Notation empfunden) nach Möglichkeit vermeidet. Dies ist im Irish Folk anders. Die Melodien werden nicht bis in alle Ecken und Winkel gleichmäßig ausgespielt, das würde den Tune zukleistern, behäbig und ungenau machen. Stattdessen werden die Töne je nach Puls und rhythmischem Pattern abwechselnd leicht und schwer gespielt, tänzelnd sozusagen, und zwischen den Beats Platz für den Klang der Mitmusiker gelassen. Schließlich gibt es keinen Dirigenten, der den Takt anzeigt.

Das waren erstmal die Eigenarten der keltischen Musik. Wenn Euch das alles bis jetzt nicht abgeschreckt hat:

WILLKOMMEN IN DER IRISCHEN MUSIK!!!